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#95: Digital Marketing braucht Menschen

Warum Soft Skills zur echten Superkraft werden


Im digitalen Marketing übernehmen KI, Automatisierung und datengetriebene Tools zunehmend Routineaufgaben. Statt Menschen zu ersetzen, verschiebt sich der Fokus jedoch auf Fähigkeiten, die Technologie nicht leisten kann: Empathie, Kommunikation, kollaboratives Arbeiten und emotionale Intelligenz.

Dieser Artikel von Helena Gager und Leonie Langschwert, Studentinnen des Bachelorstudiums Marketing & Kommunikation an der University of Applied Sciences St. Pölten, zeigt, warum Soft Skills im digitalen Marketing zentral sind – und was das für die Praxis bedeutet.


Wenn Maschinen die Routine übernehmen


Die vierte industrielle Revolution ist im Marketing angekommen. Algorithmen sortieren Daten, optimieren Budgets und testen Varianten in Sekundenschnelle. Das ist jedoch kein Jobkiller, sondern eine Rollenverschiebung – weg vom Abarbeiten hin zum Dirigieren. Für Marketeers heißt das konkret: weniger Klickarbeit, mehr Sinnstiftung. Wer ausschließlich operative Tasks erledigt, läuft Gefahr, in ein „Skill Mismatch“ zu rutschen. Gefragt sind Menschen, die komplexe Probleme verstehen, Entscheidungen begründen und Ideen in Bewegung bringen. Wie stark diese Entwicklung bereits in Österreich angekommen ist, zeigt der Blick auf aktuelle Daten: Fast jedes zweite Unternehmen setzt KI im Marketing und Verkauf ein.



Abb. 1: Einsatzzwecke von Technologien Künstlicher Intelligenz bei Unternehmen in Österreich im Jahr 2024 (Statistik Austria, 2025)
Abb. 1: Einsatzzwecke von Technologien Künstlicher Intelligenz bei Unternehmen in Österreich im Jahr 2024 (Statistik Austria, 2025)

Die menschlichen Superkräfte, worauf es wirklich ankommt


Der Beitrag bündelt die relevanten Soft Skills in drei strategische Bereiche:


Kollaborative Exzellenz


Gute Ideen gewinnen erst durch Zusammenarbeit. In verteilten Teams, mit externen Partnern und wechselnden Stakeholdern zählt klare Kommunikation, aktives Zuhören und Konfliktfähigkeit. Wer es schafft, komplexe Sachverhalte einfach zu erklären und Menschen auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören, beschleunigt Projekte – besonders remote.


Strategische Agilität


Märkte und Plattformen ändern sich rasant. Gefragt ist die Fähigkeit, Muster in Daten zu erkennen, Hypothesen zu bilden und mutig zu testen. Kreatives Problemlösen verbindet Logik mit Intuition: Was wollen wir beweisen? Welche Experimente lohnen sich? Wie interpretieren wir Ergebnisse ohne Tunnelblick? Adaptivität bedeutet, aus Learnings schnell Konsequenzen zu ziehen, nicht nur das Dashboard schön zu pflegen.


Menschliche Resonanz


Daten zeigen das „Was“, Empathie liefert das „Warum“. Emotionale Intelligenz hilft, echte Bedürfnisse zu verstehen. Teams, in denen man sich sicher fühlt, Fragen zu stellen und Fehler zuzugeben, sind innovativer und schneller lernfähig. Diese psychologische Sicherheit wirkt wie ein Katalysator: Wissen fließt, Ideen werden besser, Customer Experiences werden spürbar menschlicher.



Forschungen zu Soft Skills im Marketing


Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen eindeutig, dass Soft Skills gerade im digitalen Marketing an Bedeutung gewinnen. Drei Forschungen sind dabei besonders spannend:


Emotionale Intelligenz fördert bessere Entscheidungen


Untersuchungen zeigen, dass Teams mit hoher emotionaler Intelligenz schnellere, klarere und qualitativ bessere Entscheidungen treffen. Für Mitarbeitende heißt das, aktiv zuhören, Perspektiven wechseln, Gedanken klar formulieren und eigene Emotionen regulieren, statt in hektischen Momenten vorschnell zu urteilen. Für Führungskräfte bedeutet es, Ruhe bewahren, Komplexität verständlich machen, Prioritäten ordnen und Spannungen ansprechen, bevor sie eskalieren. Gerade im digitalen Marketing, wo datenbasierte Entscheidungen und kreative Ideen ständig zusammenfließen, ermöglicht emotionale Intelligenz eine Art Warnsystem, das die Qualität von Entscheidungen messbar verbessert.


Psychologische Sicherheit steigert Produktivität und Innovation


Forschungsergebnisse belegen außerdem, dass Teams produktiver, kreativer und lernfähiger werden, wenn sie ohne Angst Fragen stellen oder Fehler zugeben können. In einem Arbeitsumfeld, das zunehmend von KI-gestützten Tools geprägt ist, wird diese Sicherheit noch wichtiger: Mitarbeitende müssen Hypothesen kritisch hinterfragen, Daten interpretieren, Experimente wagen und Ergebnisse offen diskutieren können. Führungskräfte gestalten dafür den Rahmen: Sie fördern konstruktiven Widerspruch, moderieren Diskussionen fair und wertschätzend, geben konkretes sowie zukunftsorientiertes Feedback und etablieren klare Rituale, die Orientierung und Sicherheit bieten. Psychologische Sicherheit beschleunigt Lernprozesse, verbessert Experimente und fördert eine offene Feedbackkultur – und sie ermöglicht den Mut, neue Ideen einzubringen, den KI (noch) nicht erzeugen kann.


Emotional-Intelligence-orientierte Führung erzeugt leistungsstarke Teamkulturen


Aktuelle Forschung zeigt, dass empathische, emotional kompetente Führungskräfte Teams durch komplexe digitale Umgebungen besser steuern. Sie erkennen Belastungen früh, kommunizieren klar und schaffen Strukturen, in denen sich Mitarbeitende unterstützt fühlen. Das wirkt sich direkt auf die Leistung der Mitarbeiter:innen aus: Stress sinkt, Konflikte nehmen ab, die Qualität der Zusammenarbeit steigt. Im digitalen Marketing – mit engen Deadlines, hohem Tempo und ständig neuen Technologien – ist diese Form der Führung ein zentraler Stabilitätsfaktor, der Teams langfristig leistungsfähig macht.



Praktische Handlungsempfehlungen


Mit einer KI-Nutzungsrate von 20,27 % gehört Österreich zu den Top-10 EU-Ländern, in denen Unternehmen KI-Technologien einsetzen. KI ist damit längst kein Zukunftsthema mehr, sondern ein fester Bestandteil des Arbeitsalltags im digitalen Marketing. Gerade weil automatisierte Systeme immer mehr Aufgaben übernehmen, gewinnen jene Fähigkeiten an Wert, die nur Menschen beherrschen.


Abb. 2: Anteil der Unternehmen in den EU-Ländern, die Künstliche Intelligenz nutzen, im Jahr 2024 (European Commission, 2025)
Abb. 2: Anteil der Unternehmen in den EU-Ländern, die Künstliche Intelligenz nutzen, im Jahr 2024 (European Commission, 2025)

Aus dieser Entwicklung lassen sich folgende Handlungsempfehlungen ableiten:


Für Unternehmen und Teams


• Kultur aufbauen: Etabliere klare Rituale wie Feedbackrunden, Retrospektiven und eine echte No-Blame-Fehlerkultur, damit Teams offener, schneller und angstfreier arbeiten können.


Training verankern: Integriere Soft-Skill-Trainings fest in Onboarding-Prozesse, Führungskräfteentwicklung und Karrierepfade, damit sie als Kernkompetenz wahrgenommen werden.


• Mensch + Maschine koppeln: Nutze Tools zur Datenerhebung und -analyse, aber ergänze diese immer durch menschliches Urteilsvermögen, Kontextwissen und eine empathische Kundensicht.


Für Studierende und Professionals


• Selbst-Check: Überprüfe, welche Soft Skills dir heute bereits einen Vorteil verschaffen und in welchen Bereichen du noch Entwicklungspotenzial hast.


• Gezielt trainieren: Baue Fähigkeiten wie Präsentieren, Moderieren, Konfliktlösen, Storytelling oder konstruktives Feedbackgeben bewusst und regelmäßig aus.


• Experimentierhaltung entwickeln: Formuliere Hypothesen, teste kleine Marketingmaßnahmen, analysiere die Ergebnisse und mache sichtbar, welchen Beitrag du damit geleistet hast.


Beispiel für Soft Skills für einen Selbst-Check

Aktives Zuhören

um Kund:innen, Teamkolleg:innen und Stakeholder:innen wirklich zu verstehen

Empathie und emotionale Intelligenz

Bedürfnisse erkennen, Perspektiven wechseln, Konflikte entschärfen

Kritisches Denken

Daten interpretieren, Hypothesen bilden und voreilige Schlüsse vermeiden

Adaptivität

flexibel auf neue Trends, Tools oder Plattformänderungen reagieren

Kreatives Problemlösen

innovative Lösungen entwickeln, wenn Standardprozesse nicht weiterführen

Kollaborationsfähigkeit

effektiv im Team arbeiten, Feedback einholen und gemeinsam Entscheidungen treffen

Storytelling-Kompetenz

Inhalte menschlich, relevant und emotional ansprechend gestalten

Konfliktfähigkeit

Meinungsverschiedenheiten offen, fair und lösungsorientiert adressieren

Moderations- und Präsentationsfähigkeit

Meetings strukturieren, Diskussionen leiten, Ideen überzeugend präsentieren

 Fazit: Die Technik skaliert, das Menschliche differenziert


Automatisierung macht Marketing schneller und präziser. Den Unterschied, den Kund:innen wirklich spüren, macht der menschliche Faktor: wie wir miteinander arbeiten, Entscheidungen treffen und Geschichten erzählen. Soft Skills verwandeln Daten in Bedeutung, Prozesse in Erlebnisse und Teams in Leistungsgemeinschaften

Kurz gesagt: Die Zukunft gehört nicht den lautesten Algorithmen, sondern den klügsten Verbindungen aus Technik und Mensch. Genau dort liegen die Superkräfte des modernen Digital Marketings.





Quellenverzeichnis:

 

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Kravchenko, A., Husieva, N., Krasilnikova, O., Kyzymenko, I., & Razitskyi, V. (2025). Soft Skills in the digital age: Challenges, opportunities and development prospects. Sociología y Tecnociencia, 15(2), 25–47. https://revistas.uva.es/index.php/sociotecno/en/article/view/9299 


Mabe, K., & Bwalya, K. J. (2022). Critical soft skills for information and knowledge management practitioners in the fourth industrial revolution. South African Journal of Information Management, Vol 24, No 1. https://doi.org/10.4102/sajim.v24i1.1519 


Tee, P. K., Wong, L. C., Dada, M., Song, B. L., & Ng, C. P. (2024). Demand for digital skills, skill gaps and graduate employability: Evidence from employers in Malaysia. F1000Research, 13, 389. https://doi.org/10.12688/f1000research.148514.1 


Zhang, X., & Xu, Z. (2024). Exploring the relationship between psychological capital, emotional intelligence, psychological safety, and knowledge sharing among E-commerce practitioners. Frontiers in Psychology, 15, 1472527. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2024.1472527


Zhou, W., Zhu, Z., & Vredenburgh, D. (2020). Emotional intelligence, psychological safety, and team decision-making. Team Performance Management. Emerald Publishing, 26 (1-2): 123–141. https://doi.org/10.1108/TPM-10-2019-0105 


Patil, R. (2023). The Power of Psychological Safety: Investigating its impact on team learning, team efficacy and team productivity. The Open Psychology Journal, 16, Article e187435012307090. https://doi.org/10.2174/18743501-v16-230727-2023-36 


Coronado-Maldonado, I., Almenara, C. A., & García-González, J. (2023). Emotional intelligence, leadership, and work teams. Heliyon, 9, Article e20356. https://doi.org/10.1016/j.heliyon.2023.e20356 












Autorin: Helena Gager schließt im Sommer 2026 ihr Bachelorstudium „Marketing & Kommunikation“ an der University of Applied Sciences St. Pölten ab.














Autorin: Leonie Langschwert schließt im Sommer 2026 ihr Bachelorstudium „Marketing & Kommunikation“ an der University of Applied Sciences St. Pölten ab.









Autorin: Barbara Klinser-Kammerzelt, University of Applied Science St. Pölten, USTP-Dozentin im Bachelor Marketing & Kommunikation, Master Digital Marketing & Kommunikation Lehrgangsleitung Werbung & Markenführung





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