Beacons erobern den Tourismus

MuK-Blog für Digital Marketing #17: Beacons erobern den Tourismus
1. November 2018 Marketing Natives

Kleiner Sender ganz groß

Reisen ohne Smartphone ist in unserem Zeitalter kaum noch vorstellbar. Schon vor der Abreise helfen diverse Apps, um perfekt für den Urlaub vorbereitet zu sein. Und auch während der schönsten Zeit im Jahr wird das Smartphone um Rat gefragt – sei es für die Wahl der Unterkunft, eine Restaurantempfehlung oder um mehr über eine Sehenswürdigkeit zu erfahren. Zusätzlich werden in diversen Tourismusdestinationen Beacons installiert, die Besucher auf Attraktionen in unmittelbarer Nähe auf dem Smartphone aufmerksam machen, die ihnen sonst vielleicht entgangen wären.

Frau mit Smartphone

Abbildung 1: Reisen mit dem Smartphone Quelle: Shutterstock

Orientierung inmitten der Informationsflut

Das Smartphone als unser Reisebegleiter hat einige Vorteile gegenüber dem analogen Reiseführer. Informationen sind aktuell und werden mit wenigen Klicks direkt auf dem Bildschirm angezeigt. Zusätzliches Gewicht im Gepäck wird eingespart und, um ehrlich zu sein – auch die Navigation mittels Apps ist wesentlich unkomplizierter und stressfreier, als der Stadtplan aus Papier.

Um Besuchern während ihres Aufenthalts schlichtweg mehr zu bieten werden Beacons eingesetzt. Ganz einfach gesagt sind das virtuelle Wegweiser bzw. Tourguides. Sie senden uns per Notification Angebote für Geschäfte, Museen, Sehenswürdigkeiten oder Restaurants in unmittelbarer Umgebung und möchten uns zu einem Besuch motivieren.

Denn Beacons sind kleine Minisender in unterschiedlichen Größen – von einer zwei Euro Münze bis zu einer kleinen Box. Sie werden mittels Batterie oder Strom betrieben und senden ein Bluetooth-Signal an den Smartphone-Besitzer.

Symbole

Abbildung 2: Beacons Marken: estimote, kontakt.io, xy und pixie (v.l.n.r.) Quelle: www.codefluegel.com

Das Wort Beacon kommt aus der Schifffahrt, heißt übersetzt „Leuchtfeuer“ und soll die Orientierung und Navigation erleichtern. Bei Beacons wird genau diese Funktion in Form von mobiler und drahtloser Interaktion mit dem Endnutzer hergestellt, der Zusatzinformationen bereitstellt. Dies erfolgt in Form von Bildern, Videos, Sounds und Texten.

Vor der Installierung von Beacons müssen genaue Ziele definiert werden und wie diese erreicht werden sollen. Solche Ziele können wie folgt lauten:

  • Solle die Verweildauer erhöht werden?
  • Ist der Fokus auf Cross-Selling gelegt?
  • Welche Vorteile hat es für den Kunden?
  • Soll der Kunde etwas erleben, oder einfach nur informiert werden?

Im Tourismus sorgen Beacons dafür den Urlaub einzigartig zu gestalten, denn ein Rundgang in der Stadt kann mithilfe der kleinen Sender zur Themenführung werden, da die Mitteilungen individuell auf den Empfänger abgestimmt sind. Beacons wissen, welche Informationen hilfreich für den Benutzer sind. Aufgrund der Spracheinstellungen am Smartphone werden die Mitteilungen in der Sprache ausgesendet, die am Handy eingestellt ist. Da die Sprachbarriere somit überwunden wird können gut eingesetzte Beacons für eine Umsatzsteigerung sorgen.

Arten von Beacons

Unterschieden werden zwei Arten von Beacons: iBeacons von Apple und Eddystone von Google.

Abbildung 3: iBeacon vs. Eddystones Quelle: kontakt.io

Das kleine „i“ in iBeacons verrät bereits, dass hier Apple seine Finger im Spiel hat. Sie wurden von Apple entwickelt und funktionierten auch lange Zeit nur mit iOS. Mittlerweile sind sie auch mit Android Geräten kompatibel. Bei iBeacon ist eine App notwendig, um Nachrichten empfangen zu können, was den grundliegenden Unterschied zu Eddystone aufzeigt.  Denn Bei Eddystones ist keine App notwendig, es muss nur der Google Chrome Browser vorhanden sein. Sie versenden direkt URLs, wie zum Beispiel einen Link zu einer App, wenn diese noch nicht installiert ist.
Eddystones können mittlerweile nur noch mit Android empfangen werden und funktionieren nicht mehr, wie zu Beginn, Plattform unabhängig.

Funktionsweise von Beacons

Der Stromverbrauch der Bluetooth-Sender ist gering, da Beacons während der Sendepausen in einen Schlafmodus fallen. Sobald sich ein Empfänger im Sendekreis befindet, vernetzen sich die Beacons innerhalb von Millisekunden und senden Mitteilungen.

Abbildung 4: Funktionsweise Beacon Quelle: www.ashtopustech.com

Das Signal reicht von zehn bis zu einhundert Metern, je nach Art des Beacons, und sendet an das Smartphone, sobald folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Bluetooth muss aktiviert sein, wobei das aufgrund von Freisprechanlagen, Bluetooth Kopfhörern und Smart Watches bei immer mehr Nutzern durchgehend angeschaltet ist.
  • Eine Beacon kompatible App muss installiert sein,
  • Standortnutzung erlaubt und
  • Benachrichtigungen müssen zugelassen werden.

Sind diese vier Punkte erfüllt, steht einer Verbindung nichts mehr im Wege und der Empfänger erhält Push Meldungen, wenn er sich in der besagten näheren Umgebung aufhält.

Bei größeren Anwendungen können alle Beacons mit einem Beacon Management System (BMS) gewartet werden. Dieses System sorgt dafür, dass nicht alles einzeln gemanagt werden muss, sondern zentral über ein System verwaltet wird.

Die Zahlen sprechen für sich

Laut einer repräsentativen Umfrage des Forschungsinstituts YouGov ist für 52% der deutschen Urlauber ist das Smartphone sogar wichtiger, als die Badehose und Sonnencreme. Ob das vor Sonnenbrand und neugierigen Blicken schützt ist zwar fragwürdig, aber sollte in der Wahl der Kommunikation in Tourismusdestinationen bedacht werden.

Nicht nur die Touristen profitieren von den Vorteilen des Smartphones, auch der Tourismus selbst sieht Potential in der Einbindung von digitalen Helfern in Reisedestinationen.

Denn: 31% der Urlaubsreisen werden mobil gebucht, 70% informieren sich mit dem Smartphone über ihre Reise. 51% nutzen ihr Handy für Recherche oder Buchungen im Urlaub. Der Laptop bleibt zu Hause und da 95% das Smartphone ständig dabei haben eignet sich dieser Device optimal, um in eine direkte Kommunikation mit dem Nutzer zu treten.

Beacons im Tourismus

Gerade in Tourismusregionen wird den Gästen ein vielfältiges Angebot unterbreitet. Bei so vielen Informationen erkennt der Besucher oft selbst nicht mehr, was für ihn wirklich wichtig und interessant ist. Dafür werden Beacons eingesetzt, die den Besucher auf Sehenswürdigkeiten in ihrer näheren Umgebung aufmerksam machen. Die Inhalte können saisonal angepasst werden und bringen dem Touristen nicht nur einen Mehrwert, sondern binden ihn emotional an die Region. Positive Erfahrungen führen dazu, dass der Gast wieder kommt oder Anderen von seinen Erfahrungen erzählt.

Auch in Museen sind Beacons gut einsetzbar. Wer kennt es nicht – Kunstausstellungen, die eigentlich höchstinteressant wären, aber die Geschichte hinter dem Gemälde scheint für ein ungeschultes Auge doch etwas zu verschlüsselt zu sein. Hier schaffen Beacons Abhilfe indem sie in unmittelbarer Nähe des Ausstellungsstückes angebracht werden und Zusatzinformationen an das Smartphone senden, sobald er sich in deren Umgebung aufhält. Der Museumsbesucher entdeckt Details, die ihm ohne technische Hilfe vielleicht entgangen wären. Außerdem wird er durch das Museum navigiert und findet sich schneller zurecht.

Abbildung 5: Beacons bei Kunstausstellung Quelle: www.alibaba.com

Optimale Lösung?

Keine Frage, Beacons bringen viele Vorteile, dennoch sollten auch die Nachteile nicht ungenannt bleiben. Beacons sind erst dabei sich zu verbreiten, aber wenn sie sich erst etabliert besteht auch die Gefahr, dass sie als „Spam“ gesehen werden, wenn an einem Ort zu viele Notifications an User kommen.

Außerdem haben viele Smartphone-Besitzer die angeforderten Einstellungen, um Mitteilungen durch Beacons zu empfangen, nicht zur Gänze aktiviert, was ein Hindernis für die Kontaktaufnahme darstellen kann.

Fazit

Österreich ist ein Tourismus-Land und wird auch im Ausland als attraktive Urlaubsdestination gesehen. 144,4 Millionen Nächtigungen wurden im vergangenen Jahr getätigt, deshalb sollte gerade im österreichischen Tourismus die Beacon-Technologie verstärkt werden, da Gäste sich individuell beraten fühlen und durch den Mehrwert, den Beacons aussenden wird eine Bindung zur Destination hergestellt.

Ein Positiv-Beispiel des Einsatzes von Beacons in heimischen Tourismus zeigt die Region Klagenfurt in Zusammenarbeit mit dem Lakeside Park-Unternehmen xamoom. Zahlreiche Beacons wurden in Klagenfurt, Maria Saal, Grafenstein und Ebenthal montiert und mit Hilfe der Gratis-App „City Guide Klagenfurt“ führt der virtueller Tourguide die Besucher durch die Stadt. Der Benutzer erhält Zusatzinformationen in Form von Bild-, Text-, oder Audiodateien in Deutsch, Englisch oder Italienisch, je nach Spracheinstellung am Smartphone.

Aber auch International wird mit Beacons im Tourismus gearbeitet. Hier ein Beispiel von Google iBeacons in Amsterdam:

 

Autorin: Lisa Maurer

Über Lisa: Derzeit studiere ich an der Fachhochschule St. Pölten Media- und Kommunikationsberatung. Nebenbei arbeite ich in einem Startup Unternehmen im Social Media Bereich, daher finde ich es interessant, wie die offline Welt mit online verknüpft wird.

 

Disclaimer: Namentlich gekennzeichnete Beiträge wie dieser hier geben die Meinung des jeweiligen Autors und nicht immer die Meinung des Anbieters wieder.

 

Quellen:

https://derstandard.at/2000072925962/Tirol-fuehrt-die-Uebernachtungszah, Stand 22.08.2018
https://xamoom.com/wpcontent/uploads/2017/09/xamoom_LocationBasedServices_Tourismus_2017.pdf., Stand 22.08.2018
https://www.expertenderit.de/blog/funktionsweise-nutzungsbeispiele-und-risiken-der-beacon-technologie, Stand 22.08.2018
https://www.contentmanager.de/marketing/worauf-es-beim-einsatz-von-beacons-im-einzelhandel-ankommt/, Stand 22.08.2018
https://www.locafox.de/blog/glossar/beacon-technologie/, Stand 22.08.2018
https://www.expertenderit.de/blog/funktionsweise-nutzungsbeispiele-und-risiken-der-beacon-technologie, Stand 22.08.2018
https://derstandard.at/2000081948839/Urlaub-Haelfte-aller-Deutschen-soll-Handy-vor-Sonnencreme-ziehen, Stand 22.08.2018
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20170707_OTS0123/oesterreich-premiere-fuer-intelligenten-city-guide-klagenfurt-digital-und-smart-fuer-gaeste-bild, Stand 06.09.2018

 

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